Veranstaltungen
Studie zur Gleichwertigkeit der handwerklichen Ausbildung
Viele junge Menschen entscheiden sich heute für ein Studium – verknüpft mit der Vorstellung, so später einmal die besten Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Die berufliche Bildung hingegen - insbesondere im Handwerk - schlagen immer weniger Jugendliche ein. Und das, obwohl die Aussichten für die Zukunft hier nicht schlechter sind. Das zumindest belegt eine wissenschaftliche Studie des Westdeutschen Handwerkskammertages und zeigt beim Vergleich von beruflichen und akademischen Fortbildungsabschlüssen deren Gleichwertigkeit. Danach nämlich besitzen Meisterausbildung und Diplomabschluss den gleichen Stellenwert.
„Dass der Meisterabschluss den gleichen Rang einnimmt wie ein Diplom der Uni oder Fachhochschule muss nur erst einmal vielen klar werden“, meint Ass. Josef Tack, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Paderborn und verweist auf die aktuelle Lage der Ausbildung im Handwerk. Obgleich sich dort die Ausbildungssituation in den vergangenen Jahren gebessert habe, sei der Zustand nicht optimal. Denn Angebot und Nachfrage klafften immer noch zu weit auseinander. Und auch die mangelhafte Ausbildungsreife vieler Schulabgänger hinke den gestiegenen Anforderungen nicht selten hinterher. Häufig seien Realschulabschluss, die Höhere Handelsschule oder gar das Abitur Voraussetzung für eine Lehre im Handwerk. Doch gerade diese Personengruppe entscheide sich oft für einen anderen beruflichen Werdegang – wie zum Beispiel ein Studium.
„Die Studie des Westdeutschen Handwerkskammertages ist ein klares Signal an junge Menschen, den Weg in die berufliche Bildung einzuschlagen“, so Ass. Josef Tack. Die Perspektiven seien dort keinesfalls schlechter als bei Akademikern. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigten, dass auch die im beruflichen System Qualifizierten in der Lage seien, die Anforderungen der Wirtschaft an Spitzenkräfte zu erfüllen. „Führungskräfte mit einer beruflichen Weiterbildung erzielen laut der Untersuchung vielfach sogar bessere Ergebnisse als die Universitätsabsolventen“, bemerkt Tack. Dank dieser Analyse sehe er künftig für Bewerber mit einer beruflichen Bildung beste Chancen beim Vorstellungsgespräch.
Schließlich habe der Handwerksmeister nach wie vor – trotz des teilweisen Wegfalls des Meisterzwangs– einen hohen Stellenwert. Und das nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland, wo die breit ausgebildeten Spezialisten des Handwerks ebenfalls heiß begehrt seien. „Die Meisterqualifikation ist eine Ausbildung zum Unternehmer“, ist sich Tack sicher. Der Meisterbrief biete die Chancen für eine Führungsaufgabe - und zugleich ein sicheres Fundament für eine selbstständige Tätigkeit. So sei der Weg nach oben offen: Denn neben der fachlichen Qualifikation verfügten Meister über eine gründliche Ausbildung in Unternehmensführung, Betriebswirtschaft und Arbeitspädagogik. Zutreffend sei auch, dass handwerkliche Meisterbetriebe, ob als Existenzgründer oder durch die Übernahme eines bestehenden Betriebs, in der Regel eine wesentlich höhere Überlebensrate als Existenzgründungen in anderen Wirtschaftsbereichen vorweisen könnten.
Die Studie des Westdeutschen Handwerkskammertages, des Forschungsinstituts für Berufsbildung im Handwerk an der Universität Köln (FBH) und der Fachhochschule für Oekonomie & Management (FOM) untersuchte konkret, welche Aufgaben, Funktionen und Verantwortlichkeiten die Mitarbeiter mit den jeweiligen Qualifikationen der beruflichen und akademischen Bildung in den Unternehmen erfüllen und manifestiert so eine Vergleichbarkeit der Abschlüsse. Die Untersuchung erfolgte an sechs ausgewählten Beschäftigungsbereichen in vier Wirtschaftsbranchen. Die Studie unterstreicht im Ergebnis die Forderung des Handwerks, für die Absolventen der beruflichen Weiterbildung die Zusatzbezeichnung „Bachelor Professional“ einzuführen. So komme diesem Abschluss der angemessene Stellenwert zu, der dann auch noch international dokumentiert werde.
Hier gelangen Sie direkt zur Studie des WHKT.
