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Kreishandwerksmeister Ferdi Wächter eröffnete den Tag des Handwerks 2009 im Sportzentrum Maspernplatz und begrüßte neben den zahlreichen Ehrengästen aus Kirche, Politik, Wirtschaft sowie Institutionen und Verbänden auch die imposante Zahl (neuer Rekord!- über 2.300 angemeldete Teilnehmer) der erschienenen Handwerker, Gäste und Freunde des Berufstandes. In seiner Rede nahm der Kreishandwerksmeister Bezug zur aktuellen Wirtschaftslage, fand mahnende wie kritische Worte und stellte das handwerkliche Unternehmertum in den Focus.
„Tradition, Beständigkeit und Werteorientierung sind Begriffe, die in unserem modernen System aus der Mode gekommen sind.“ Diese Feststellung setzte Wächter an den Beginn seines Referats und nannte Profitgier und mangelndes Verantwortungsgefühl als Gründe für die weltweite Krise. Die Folgen des wirtschaftlichen Desasters seien eine exorbitante Neuverschuldung des Staates, eine zunehmend schwierigere Gestaltung der Kreditvergabe sowie ein sprunghafter Anstieg der Zahl der Kurzarbeiter. Kein Wunder also, so der Kreishandwerksmeister, wenn Unternehmer und Arbeitnehmer mit Sorge in eine ungewisse Zukunft blickten.
Obwohl die inzwischen weiter modifizierte Kurzarbeit für viele Betriebe zum Rettungsanker geworden sei und der Einsatz von 3,4 Milliarden Euro aus der Kasse der Bundesagentur für Arbeit den schlimmsten Einbruch abgefedert habe, schimmere nunmehr aber der Bodensatz bereits durch. Die Unternehmen müssten sich daher alsbald entscheiden, wie es weitergehen solle. Denn wenn die Wirtschaft und mit ihr der Export nicht bald anzögen, drohe eine große Entlassungswelle. Daher sei ein Strukturwandel unumgänglich, da ohne einen solchen Richtungswechsel die Kurzarbeiter nur künstlich in den Betrieben gehalten würden und nachher vor der Arbeitslosigkeit stünden.
Kritische Anmerkungen machte Wächter auch zu den gigantischen Summen, die nicht nur in Deutschland, sondern weltweit „in den Markt“ gepumpt wurden: „Nicht immer ist ersichtlich, wohin sie fließen.“ Die beiden 80 Milliarden Euro starken deutschen Konjunkturpakete jedoch hätten auch dem Handwerk genutzt und zu Aufträgen geführt. „Fraglich ist aber, ob auch die Manager profitieren sollen, die ihren Unternehmen erhebliche Schäden zugefügt haben“, ergänzte der Kreishandwerksmeister und nahm dann noch die deutschen Unternehmen im Familienbesitz unter die Lupe. Einer Umfrage zufolge seien diese zwar mit einem dicken Finanzpolster in die Krise gestartet, einige namhafte „Große“ jedoch stark in die Bredouille geraten.
„Und das“, so Wächter, „weil sie hochriskante Transaktionen und eine verfehlte Geschäftspolitik betrieben haben.“ Für die Folgen solcher eklatanten Versäumnisse Staatshilfe einzufordern, komme einer Vollkaskomentalität gleich. „Wo bleibt die viel beschworene Tugend, den Kopf für das hinzuhalten, was man selbst vermasselt hat?“ Scheitern gehöre zum Unternehmertum wie der Erfolg. Vor dem Hintergrund des Unternehmerrisikos müsse es aber dann auch selbstverständlich sein, mit dem Privatvermögen zu haften. Das Handwerk jedenfalls, das einen Großteil des Mittelstandes ausmache, sei stets bemüht, ein positives Bild des Unternehmers in der Bevölkerung zu schaffen. Und daher nicht erfreut, wenn das verspielt werde, woran viele Familienunternehmen in der Vergangenheit gearbeitet hätten.
Der klassische Handwerksbetrieb verkörpere all das, was vielen Großunternehmen in den letzten Jahrzehnten verloren gegangen sei. „Dazu zählen“, listete Ferdi Wächter auf, „ eine hohe Werteorientierung, die vor allem unsere Mitarbeiter als unser wichtigstes Kapital einschließt.“ Aber auch Stabilität und klare Zukunftsperspektiven gehörten dazu. „Wir kennen unseren Weg, sind geradlinig und verzetteln uns nicht.“ Die Zukunft des Handwerks bestimme das Handeln, weshalb sorgsam gewirtschaftet werde. Dabei spiele auch die Eigenverantwortung eine Rolle und last but not least der Mut, aus eigener Leistung zu bestehen und Risiken einzugehen. Leider, so führte der Kreishandwerksmeister weiter aus, stehe nicht jedes Handwerksunternehmen auf soliden Füßen. Dennoch aber könne das Handwerk mit seiner Flexibilität, seiner Bodenständigkeit und seinem Know-how unbeschadet aus der Krise herauskommen.
