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Politisches Frühstück mit Rüdiger Matisz

Nahmen an der politischen Gesprächsrunde teil (Reihe vorn v.l.): Michael H. Lutter (Geschäftsführer KH PB), Rüdiger Matisz (Agentur für Arbeit Paderborn), Ferdinand Wächter (Kreishandwerksmeister), Peter Gödde (Geschäftsführer KH PB) und (Reihe Mitte v.l.) Heinrich Heggemann (Obermeister Fachinnung Elektrotechnik), Monika Schönlau (Obermeisterin Raumaustatter-Innung), Dr. Klaus Seibert (Obermeister Innung des Kfz-Handwerks Höxter und Paderborn), Achim Albrecht (Geschäftsführer tbz Bildung Paderborn) sowie (Reihe hinten v.l.) Paul Knocke (Obermeister Innung für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik), Michael Friemuth (Obermeister Baugewerken-Innung), Volker Haack (Vorstand Stiftung Bildung & Handwerk), Peter Grohmann (stv. Geschäftsführer KH PB).
Das Kurzarbeitergeld und die Ausbildungssituation im Handwerk standen im Vordergrund eines politischen Gesprächs zwischen der Kreishandwerkerschaft (KH) Paderborn und der Agentur für Arbeit. Rüdiger Matisz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Paderborn, folgte einer Einladung der Paderborner Handwerker und diskutierte in kleiner Runde mit den Obermeistern der KH über arbeitsmarktpolitische Themen. Zu Beginn der Gesprächsrunde machte er deutlich, dass OWL und auch das Hochstift mit geringen Arbeitslosenquoten sehr gut positioniert seien. Nach dem Münsterland befinde sich hier eine der wachstumsstärksten Regionen NRWs. Nichts desto trotz hätte die Finanzkrise aber auch in heimischen Gefilden ihre Spuren hinterlassen, wusste der Behördenchef und verwies in diesem Zusammenhang auf das Kurzarbeitergeld, das dem Arbeitsmarkt sehr geholfen habe. Auch viele Handwerksunternehmen nutzten dieses Instrument, um sich über Engpässe hinweg zu retten. Die Flexibilität des Kurzarbeitergeldes, die Matisz hervorhob, befürworteten auch die anwesenden Unternehmer: “Kurzarbeit ist in Krisensituationen schnell und äußerst unbürokratisch anzumelden und bei einer Trendwende auch fix wieder zu beenden“.
Einen weiteren Schwerpunkt der angeregten Unterhaltung bildete die Situation auf dem Ausbildungsmarkt, die den Anwesenden besonders unter den Nägeln brennt. Geeigneten Nachwuchs für den Betrieb zu finden, gestalte sich immer schwieriger, so die einhellige Meinung der Teilnehmerrunde. „Das wachsende Defizit an qualifizierten Arbeitskräften bereitet dem Handwerk große Sorgen“, konstatiert Kreishandwerksmeister Ferdinand Wächter besorgt.
Ein großes Problem auf dem Lehrstellenmarkt sei nach wie vor die unbefriedigende Qualifikation vieler Bewerber. Davon konnten auch die übrigen Obermeister ein Lied singen. Fast jeder vierte Schulentlassene könne nicht ausreichend Lesen, Schreiben und Rechnen. Und auch die sozialen Tugenden ließen oft zu wünschen übrig. „Es kann nicht sein, dass sich manche Lehrlinge nicht einmal krank melden, wenn sie aus gesundheitlichen Gründen zuhause bleiben müssen“, ist Bauunternehmer Michael Friemuth fassungslos. Und auch über die Stelle, auf die sich die Jugendlichen bewerben, werde sich oft nicht einmal schlau gemacht. „Häufig haben die jungen Leute keine Ahnung davon, was sie in dem Beruf erwartet, für den sie gerade vorsprechen“, kritisiert Malermeister Dietmar Ahle.
Frühzeitige und umfassende Berufsorientierung sei hier zwar das Zauberwort, nur leider scheitere diese nicht selten an der Zurückhaltung der Schulen. Insbesondere die Gymnasien zeigten sich nicht besonders geneigt, insoweit mit dem Handwerk zu kooperieren. Und gerade dort sei die eigentliche Zielgruppe angesiedelt. „Denn die Ausbildung im Handwerk ist kein Zuckerschlecken“, so Michael H. Lutter, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Paderborn. Das Handwerk habe zwar hier und da immer noch einen verstaubten Ruf, sei tatsächlich aber viel innovativer. Nur wüssten das viele Jugendliche einfach nicht: „Genauso so wenig wie die Tatsache, dass man hier auch richtig Karriere machen kann.“
Rüdiger Matisz jedenfalls zeigte sich den Problemen des Handwerks gegenüber aufgeschlossen und schlug zur Problemlösung verstärkte Vernetzungen und Kooperationen vor.
