Der Wettbewerb „Die Gute Form“ im Tischlerhandwerk zeichnet exzellent gestaltete Gesellenstücke aus. Der Innungsverbund des Gewerks richtet ihn alljährlich zunächst auf Innungs-, dann auf Landes- und schließlich auf Bundesebene aus. Auch die Tischler-Innung Lippe zeichnet jedes Jahr ihre Gesellenstücke aus. Neben den rein handwerklichen Kriterien bewertet die Jury Originalität, Design, Modernität, Funktionalität sowie die funktions- und materialgerechte Konstruktion. Der Wettstreit wird parallel zur eigentlichen Gesellenprüfung veranstaltet und soll dem Berufsnachwuchs schon früh die Bedeutung der Formgebung, also des Designs im Tischlerhandwerk, verdeutlichen.
"Ziel ist es, unseren Tischlernachwuchs zu ermutigen, Gestaltung als festen Bestandteil des Handwerks zu verstehen - den bewussten Umgang mit Form und Funktion, mit Material, Farben und Proportionen in das eigene berufliche Selbstverständnis zu integrieren", so Obermeister Christian Schmidt von der Tischler-Innung Lippe. "Der Wettbewerb zeigt auch in diesem Jahr, welches Potenzial in unserem Nachwuchs steckt. Die ausgestellten Gesellenstücke beeindrucken durch Kreativität, handwerkliche Präzision und den Mut, eigene Ideen umzusetzen", lobte Schmidt anerkennend.
Die Gesellen
1. Platz
"Barschrank"
Den ersten Platz belegt das Gesellenstück von Ina Teysch (Ausbildungsbetrieb formatio Einrichtungen).
Das ruhige Äußere wird durch das lebendige Innenleben aufgeweckt: die weißen, marmorierten und lichtdurchlässigen Corian-Streifen, einem Spiegel und der Koffertür. Unten links sind drei klassisch geführt Schubkästen aus Esche platziert. Rechts und links sitzen strukturierte Weinfächer. Darüber hinaus gibt es eine feste und eine darunter-liegende ausziehbare Arbeitsplatte aus olivgrüner HPL Beschichtung. Für eine besonders schöne Atmosphäre sorgen die in Lichtwärme und Helligkeit verstellbaren LEDs, die das Corian hinterleuchten und so dessen Struktur hervorheben.
2. Platz
„Sideboard aus Nussbaum“
Der 2. Platz ging an Luca Schelhas (Ausbildungsbetrieb Marcel Bühring).
Das Sideboard ist aus massiver amerikanischer Nuss gefertigt und soll als Barschrank genutzt werden. Dabei verbindet das Möbel ein klares, geradliniges Design mit einem zentralen Gestaltungselement, das die Form aufbricht. Die dunkle, lebendige Maserung des Holzes verleiht dem Möbel eine warme und hochwertige Ausstrahlung. Dabei ist die Front in drei Funktionsbereiche unterteilt: Links befinden sich zwei Vollglastüren in Rauchglasoptik, die einen spannenden Materialkontrast erzeugen. Rechts befinden sich drei grifflose Schubkästen aus massivem amerikanischem Nussbaum. Das zentrale Gestaltungselement des Sideboards bildet ein drehbares Rondell im mittleren Bereich. Dieses durchbricht den geradlinigen Korpus und schafft einen skulpturalen Mittelpunkt, der sowohl funktional als auch gestalterisch wirkt. Es besteht aus Eschenholz und hebt sich durch seinen helleren Farbton deutlich vom dunklen Nussbaumkorpus ab.
3. Platz
„Weinschrank aus massivem Eschenholz“
Den dritten Platz erhielt Cedrik Behr (Ausbildungsbetrieb Volker Hilmert).
Die Gestaltung des Möbels ist bewusst klar und zeitlos gehalten. Traditionelle Holzverbindungen dienen nicht nur der Konstruktion, sondern sind bewusst als gestalterisches Element gewählt, um die handwerklichen Fertigkeiten hervorzuheben. Die Aufteilung des Korpus orientiert sich am goldenen Schnitt, wodurch eine ausgewogene und ästhetische Proportion entsteht. Die Tür ist in rustikaler Bretterbauweise ausgeführt und unterstreicht den handwerklichen Charakter des Möbels. Der gezielte Materialkontrast zwischen Esche und Nussbaum setzt zusätzliche gestalterische Akzente. Die integrierte Aufhängung für Weingläser sowie die durchdachte Aufteilung der Flaschenlagerung erhöhen den praktischen Nutzen. Die grifflosen Türen unterstreichen die klare und reduzierte Formensprache des Schranks und runden das Gesamtbild ab.
Impressionen von der Veranstaltung
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