Es ist eine Entscheidung, die niemand leichtfertig getroffen hat: Der traditionell für Libori-Donnerstag geplante Tag des Handwerks in Paderborn musste aufgrund der angekündigten Unwettersituation abgesagt werden. Zum ersten Mal in der 62-jährigen Geschichte der traditionsreichen Veranstaltung konnte der große Feiertag des Handwerks nicht wie geplant stattfinden.

Die Stadt Paderborn hatte aufgrund der Wetterwarnung bereits entschieden, das Liborifest im Zeitraum von 14 bis 17.30 Uhr zu unterbrechen. Da der Tag des Handwerks genau in diesen Zeitraum fiel und der Veranstaltungsort im gleichen Gefahrenbereich lag, war eine Absage nach Einschätzung der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe die richtige Entscheidung.

Besonders bitter: Viele Gäste hatten sich bereits auf den Weg nach Paderborn gemacht, zum Beispiel auch Ministerpräsident Hendrik Wüst aus Düsseldorf, der diesjährige Festredner, sowie der Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertags aus Dortmund. Sie kehrten auf halber Strecke um.

„Natürlich ist unser Bedauern riesengroß. Der Tag des Handwerks ist für uns und für unsere Innungsbetriebe der große Feiertag des Jahres. Wir haben uns auf diesen Tag, auf die Begegnungen und auf die gemeinsame Würdigung dessen, was das Handwerk jeden Tag für unsere Region leistet, sehr gefreut“, betonte Kreishandwerksmeister Mickel Biere. „Gleichzeitig war angesichts der Warnstufe klar: Die Sicherheit der Menschen geht vor.“

„Wir standen mit vielen anderen gemeinsam vor einer Ausnahmesituation. Die Libori-Schausteller, das Erzbistum und viele weitere Akteure mussten ihre Veranstaltungen absagen. Das macht die Absage nicht weniger schmerzhaft, zeigt aber auch, dass die Entscheidung richtig war“, bekräftigt Hauptgeschäftsführer Michael H. Lutter.

Der Tag des Handwerks steht traditionell für die besondere Rolle des Handwerks in der Region. Handwerkerinnen und Handwerker sorgen dafür, dass Gebäude entstehen und instand gehalten werden, Fahrzeuge funktionieren, Energieversorgung und Technik gesichert sind, Lebensmittel hergestellt werden und zahlreiche Dienstleistungen unseren Alltag prägen. Sie bilden junge Menschen aus, schaffen Arbeits- und Ausbildungsplätze und tragen mit ihren Betrieben wesentlich zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Stabilität der Region bei.

„Nach dem ersten Schreck – da brauchte ich ehrlich gesagt erstmal einen großen Schnaps – überwiegt für mich vor allem der Gedanke, dass wir jetzt nach vorne schauen müssen“, so Lutter. „Es hat den Tag des Handwerks schon unter schwierigsten Bedingungen gegeben. Selbst während der Corona-Pandemie ist er nicht ausgefallen, sondern wurde digital durchgeführt. Eine solche Absage hat es in der über 60-jährigen Geschichte des Tags des Handwerks tatsächlich noch nie gegeben.“

Die Kreishandwerkerschaft möchte es deshalb nicht bei einer Absage belassen. „Unser Ziel ist klar: Wir wollen unseren Feiertag nicht einfach ausfallen lassen. Wir prüfen deshalb, ob wir den Tag des Handwerks, der ja traditionell an Libori stattfindet, im Zusammenhang mit Herbstlibori nachholen können“, sind sich Biere und Lutter einig.