Digitalisierung und KI im Handwerk werden dann spannend, wenn sie nicht nur theoretische Möglichkeiten eröffnet, sondern bei ganz konkreten Herausforderungen im Betriebsalltag ansetzt. Genau darum ging es beim ersten gemeinsamen Austauschformat des Projekts ZUNFT+.  Das vom Land Nordrhein-Westfalen geförderte Projekt ZUNFT+ unterstützt kleine Handwerksbetriebe in den Kreisen Höxter, Paderborn und Lippe dabei, passende digitale und KI-gestützte Lösungen für ihre individuellen betrieblichen Herausforderungen zu identifizieren und deren Einführung zu begleiten.  

In den Räumlichkeiten des InnovationSPIN in Lemgo kamen Projektmitarbeitende der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) Bielefeld, der Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg und der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe mit teilnehmenden Handwerksbetrieben aus dreizehn unterschiedlichen Gewerken zusammen. Im Mittelpunkt standen dabei nicht fertige Lösungen oder bestimmte Tools, sondern die Menschen und ihre Erfahrungen aus dem betrieblichen Alltag. 

Zum Auftakt wurde deutlich: Künstliche Intelligenz ist längst kein reines Zukunftsthema mehr. Auch für das Handwerk bietet KI vielfältige Möglichkeiten, Arbeitsabläufe zu vereinfachen, Zeit zu sparen, Wissen besser nutzbar zu machen und Betriebe bei ihren täglichen Herausforderungen zu unterstützen. 

Nach einer Vorstellung des Projekts ZUNFT+ und seiner Struktur erhielten die Teilnehmenden zunächst einen Einblick in die wissenschaftliche Betrachtung des Themas „KI und Handwerk“. Dabei wurde auch deutlich, dass der Einsatz von KI nicht bei großen, technisch komplexen Lösungen beginnen muss – bereits kleine, gezielte Anwendungen können einen spürbaren Mehrwert schaffen. Markus Rempe, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe, brachte einen wichtigen Gedanken auf den Punkt: „Kein Bedarf ist zu klein, um ihn nicht im Projekt ZUNFT+ zum Thema zu machen.“ Denn genau hier setzt das Projekt ZUNFT+ an: Nicht die Technik soll den Takt vorgeben, sondern die konkreten Herausforderungen des einzelnen Betriebes. 

Im Anschluss gaben die Erkenntnisse aus den bisherigen Gesprächen mit den Betrieben einen ersten Einblick in die unterschiedlichen Bedarfe und Herausforderungen. 

Nach dem gemeinsamen Projekt- und Fachinput ging es deshalb in die praktische Diskussion: An verschiedenen Thementischen, die beispielsweise die Umsatzsteigerung oder Angebotserstellung in den Fokus rückten, konnten die Betriebe ihre individuellen Anliegen vertiefen und Erfahrungen austauschen. Dabei entwickelte sich schnell ein lebhafter Austausch. Die Teilnehmenden diskutierten mit ihren Sitznachbarn über Herausforderungen aus dem eigenen Betriebsalltag, gaben Erfahrungen weiter und konnten sich gegenseitig Anregungen und Lösungsansätze mit auf den Weg geben. Gerade dieser direkte Austausch zwischen Betrieben erwies sich als besonders wertvoll: Denn häufig steht ein anderer Betrieb vor einer ganz ähnlichen Herausforderung – und hat möglicherweise bereits eine passende Lösung oder zumindest einen hilfreichen Ansatz gefunden. So wurde aus dem Austauschformat keine reine Informationsveranstaltung, sondern ein Dialog auf Augenhöhe: Was beschäftigt die Betriebe wirklich? Wo drückt der Schuh? Und an welchen Stellen kann ZUNFT+ konkret unterstützen? 

Ein weiteres Highlight war die Möglichkeit, den Showroom des vom Land NRW geförderten Projektes KIDiHa zu besichtigen. Dort konnten die Teilnehmenden digitale Lösungen und Anwendungen kennenlernen, die bereits heute für den Einsatz in Betrieben zur Verfügung stehen. 

Auch nach dem offiziellen Teil rissen die Gespräche nicht ab. Bei einem gemeinsamen Essen wurde weiter diskutiert. Für viele Teilnehmende bot der Abend damit nicht nur neue Impulse rund um KI und Digitalisierung, sondern auch die Möglichkeit, Kontakte zu anderen Betrieben und den Projektmitarbeitenden zu vertiefen. Der erste gemeinsame Austausch im Rahmen von ZUNFT+ hat damit vor allem eines gezeigt: Das Interesse an konkreten Lösungen ist da – und die Bereitschaft, voneinander zu lernen. Nun gilt es, die gesammelten Bedarfe weiter zu konkretisieren und gemeinsam mit den Betrieben herauszufinden, welche digitalen und KI-gestützten Lösungen im jeweiligen Arbeitsalltag tatsächlich einen Mehrwert schaffen können.