Bei einem „Abends des Ehrenamts“ bedankte sich die Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe in dieser Woche für das oft jahrzehntelange Engagement der 450 Menschen, die sich in zahlreichen Ehrenämtern für die Interessen des regionalen Handwerks stark machen. Zwölf der Ehrenamtlichen wurden offiziell verabschiedet.
Unter dem Motto „Ehrensache – Ehrenamt“ würdigten Kreishandwerksmeister Mickel Biere und Hauptgeschäftsführer Michael Lutter bei der Veranstaltung gemeinsam den besonderen Einsatz der zahlreichen Engagierten. „Ehrenamt im Handwerk bedeutet weit mehr als Gremienarbeit“, betonte Kreishandwerksmeister Biere. „Es bedeutet Einsatz nach Feierabend, Verantwortung zusätzlich zum eigenen Betrieb und die Bereitschaft, das Handwerk aktiv mitzugestalten. Dieses Engagement ist ein Vermächtnis, das Generationen verbindet.“
Allein in der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe engagieren sich über 450 Ehrenamtliche – unter anderem in Prüfungsausschüssen, Innungsvorständen, Gremien sowie bei den Handwerksjunioren und Unternehmerfrauen. Sie bringen ihre fachliche Kompetenz aus dem Handwerksalltag ein und sorgen dafür, dass Entscheidungen praxisnah und aus der Mitte des Handwerks heraus getroffen werden. Darüber hinaus stellen sie als Gesellen- oder Meisterbeisitzer ein funktionierendes Prüfungswesen sicher.
„Die vielen Aufgaben, die Sie als Ehrenamtliche übernehmen – unzählige Stunden in Sitzungen, Prüfungen, Diskussionen und bei Entscheidungen – das können wir als Hauptamt allein niemals leisten“, hob Hauptgeschäftsführer Lutter hervor. Die Geehrten hätten mit ihrem Einsatz Strukturen mit Leben gefüllt, Vertrauen geschaffen und das Handwerk in der Region nachhaltig geprägt, so Lutter weiter. „Ich bin dankbar für das Vertrauen, das Sie uns schenken, und für die wirklich gute Zusammenarbeit. Engagiert in der Sache, leidenschaftlich in der Diskussion, immer auf Augenhöhe und mit der notwendigen Portion Spaß.“
45 Jahre Ehrenamt im Handwerk
Mit einer persönlichen Ehrung verabschiedete die Kreishandwerkerschaft an diesem Abend auch sechs Ehrenamtliche persönlich aus ihren Ämtern. Darunter Wigbert Kruse, der sich stolze 45 Jahre lang in der Kreishandwerkerschaft sowie der Maler- und Lackierer-Innung Paderborn engagiert hatte, u.a. als stv. Obermeister, Delegierter zur KH sowie im Vorstand. Darüber hinaus sei er eine treibende Kraft bei den Fusionsverhandlungen der Maler-Innungen Paderborn und Büren im Jahr 1995 gewesen, so Geschäftsführer Markus Rempe, der die Ehrungen moderierte. Sechs weitere ehemalige Ehrenamtliche konnten nicht zur Veranstaltung kommen. „Auch denen, die heute nicht persönlich hier sein können, sei an dieser Stelle ausdrücklich gedankt“, so Rempe.
Die Geehrten im Überblick:
- Wigbert Kruse, Maler- und Lackierer-Innung Paderborn, 45 Jahre Ehrenamt
- Meinolf Kniesburges, Maler- und Lackierer-Innung Paderborn, ca. 40 Jahre Ehrenamt
- Martin Oberbracht, Fachinnung Elektrotechnik Lippe, 30 Jahre Ehrenamt
- Reinhard Merschmann, Tischler-Innung Paderborn, 27 Jahre Ehrenamt
- Meinolf Wippermann, Tischler-Innung Paderborn, 25 Jahre Ehrenamt
- Wilfried Beerensmeier, Metall-Innung Lippe, ca. 25 Jahre Ehrenamt
- Marita Ikemeyer, Maler- und Lackierer-Innung Paderborn, 22 Jahre Ehrenamt
- Rüdiger Hartig, Fachinnung Elektrotechnik Lippe, ca. 20 Jahre Ehrenamt
- Tatjana Gritzke, Metall- Innung Lippe, ca. 20 Jahre Ehrenamt
- Jur. Josef Tack, Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe, 12 Jahre Ehrenamt
- Benjamin Neunes, Zimmerer-Innung Lippe, 7 Jahre Ehrenamt
- Hans-Georg Adelhofer, Metall-Innung Lippe, ca. 7 Jahre Ehrenamt
„Wir danken jedem Einzelnen von Ihnen für sein außerordentliches Tun. Ihr Wirken wird weiterleben: In Entscheidungen, in Ergebnissen und in Erinnerungen“, so Hauptgeschäftsführer Michael Lutter. Und deshalb gehöre dieser Abend ganz den Ehrenamtlichen.
Ehrenamtliche erzählen von ihrer Motivation
Im Anschluss an die persönlichen Ehrungen berichteten vier der Ehrenamtlichen – zwei ausgeschiedene sowie zwei aktive – in einem Interview mit Geschäftsführer Markus Rempe von ihrer Motivation, sich neben dem eigenen Betrieb noch ehrenamtlich für die Handwerksorganisation einzusetzen. Darunter Wigbert Kruse und Hans-Georg Adelhofer als „Ehrenamtsrentner“ und Felix Merschmann als frisch gewähltes Vorstandsmitglied der Tischler-Innung Paderborn sowie André Stricker als junges Mitglied im Gesellenprüfungsausschuss der Innung des Kfz- und Mechanikerhandwerks Lippe.
„Ich wurde vor 45 Jahren von einem älteren Kollegen für die Vorstandsarbeit vorgeschlagen. Es war für mich eine Ehre, die ich gerne angenommen habe“, erinnert sich Kruse an seine Anfänge im Vorstand der Maler- und Lackierer-Innung Paderborn. „Ich wollte etwas bewegen, nicht nur meckern, sondern mich selber einbringen. Das habe ich immer gerne gemacht.“ Seine wichtigste Botschaft an alle Aktiven: „Unbedingt weitermachen! Und zwar jeder in seinem Stil.“ Auch für Felix Merschmann, war es eine Selbstverständlichkeit, ein Ehrenamt in der Innung zu übernehmen, schließlich waren schon sein Opa und sein Vater hier aktiv. „Ein Ehrenamt zu übernehmen finde ich einfach wichtig. Sonst funktioniert unsere Gesellschaft nicht“, ist er überzeugt. Wie er die Situation der jungen Generation rund um gesellschaftliches Engagement einschätzen würde, erkundigte sich Rempe. „Wir werden das hinbekommen!“, zeigte sich Merschmann überzeugt. „Vielleicht starten manche heute ein bisschen später im Vergleich zu früher und brauchen etwas länger, um das Geben zu verstehen. Aber ich bin mir sicher, dass auch wir Jüngeren diese Tradition weiterführen werden.“
„Wir Lipper haben das in den Genen: Wenn der Fürst ruft, dann geht man hin. Ich wurde eingeladen, diese Aufgabe zu übernehmen und habe gerne ja gesagt“, schmunzelte Adelhofer über seine Anfänge als Kassen- und Rechnungsprüfer der Metall-Innung Lippe. Man könne nicht immer nur nehmen, man müsse auch mal selber etwas investieren, um eine Sache voran zu bringen. Die tiefen Einblicke in die Handwerksorganisation habe er an seiner Aufgabe besonders interessant gefunden. „Das Handwerk ist unheimlich wichtig. Und deshalb ist auch die Mitarbeit im Ehrenamt ganz wichtig. Man kann so viel bewegen“, ist er überzeugt. Auch André Stricker hält Eigenmotivation für den wichtigsten Faktor: „Ohne eigenes Interesse ist man im Ehrenamt falsch.“ Er selber sei als Unternehmersohn aufgewachsen und habe viel erhalten und immer viel davon profitieren können, dass sich andere Menschen ehrenamtlich engagieren. „Für mich war deshalb klar, dass ich das auch machen und etwas zurück geben möchte“, so Stricker.
Im Anschluss an den offiziellen Teil folgten gesellige Gespräche beim Abendessen. „Das Feedback zu unserem ersten Ehrenamtsabend war durchweg positiv. Darüber freuen wir uns sehr“, so Lutter.
Weitere Impressionen vom Abend des Ehrenamts gibt es hier.
Fotos: PHOMAX, Dietmar Flach